Ballon Highline über dem Monument Valley

Und noch eine Ballon Highline…

Ich bin gerade erst von einem größeren Projekt aus dem Monument Valley in Utah zurückgekommen. Meine Freunde von OneInchDreams haben den Zuschlag bekommen die deutsch amerikanischen Beziehungen auf besondere Art und Weise in Szene zu setzen. Für das sogenannte Deutschlandjahr wollen sie einen Kurzfilm mit dem Namen BuildingBridges produzieren. Der Plan war den Film in einer typisch amerikanischen Landschaft – dem Monument Valley – zu drehen und dort auch den Stunt, der Teil des Films sein wird, durchzuführen. Ich war natürlich auch dieses Mal gerne wieder dabei und dachte auch, dass ich mittlerweile genug Erfahrung mit Ballon Highlines haben sollte (siehe meinen früheren Beitrag).

Je länger die Planung, desto größer der Druck

Dieses Projekt war so viel komplizierter zu planen als alle anderen zuvor. Man musste sich um so viele Dinge kümmern: Ballonhüllen bestellen, Visa und Genehmigungen beantragen, Versicherungen abschließen, Ballonpiloten finden, Kameraausrüstung, Helikopter, etc. … und das alles mitten im Niemandsland in den USA. Ich bin froh und dankbar, dass ich mich nicht darum kümmern musste. Aber ich konnte spüren wie mit der Zeit die Anspannung im Team wuchs und das Stresslevel stieg, als wir gegen Ende unseres Aufenthalts den Stunt immer noch nicht im Kasten hatten.

Am letzten geplanten Drehtag ließ es das Wetter zum ersten mal zu, dass wir für den Stunt in den Navajo Tribal Park fuhren. Alle waren bereit und voller Vorfreude auf die Aktion. Der Heli war in der Luft und es hingen ein paar niedrige Nebelwolken an den Felstürmen. Es sah sehr stimmungsvoll aus. Es gab nur ein Problem. Es war zu windig. Den ersten Startversuch mussten wir abbrechen und versuchten es nach kurzer Zeit erneut. Aber es war immer noch zu windig. Nachdem wir über eine Stunde ausharrten mussten wir uns eingestehen, dass es an jenem Tag noch nicht soweit sein sollte.

Der Tag des Stunts

Nachdem wir die ersten vier Rückflüge schon umbuchen mussten hofften wir jetzt auf den nächsten Morgen. Die Wettervorhersagen klang nicht schlecht, aber niemand von uns wollte nach den vorangegangenen Tagen noch großes Vertrauen in die Wettervorhersage setzen. Wir waren zum fünften Mal in Folge vor 5 Uhr aufgestanden, da morgens die Winde am ruhigsten und damit am besten fürs Ballonfahren sind. Dieses Mal waren wir schon sehr früh mit allen Vorbereitungen fertig und es ging quasi gar kein Wind. Noch bevor die Sonne aufging waren wir schon in der Luft. Aber für mich war es zu der Zeit noch zu dunkel zum Laufen.

Bis zu diesem Zeitpunkt konnte ich jegliche Aufregung recht gut von mir fernhalten. Jedoch war mir sehr wohl bewusst, dass falls ich frühzeitig von der Highline fallen sollte, das ziemlich unangenehme Auswirkungen auf den Fortlauf des Projekts haben könnte. Als dann also der Heli abermals in der Luft war und wir uns dem Sonnenaufgang näherten kam schließlich auch langsam die Aufregung bei mir an. Meine Beine wurden zittrig und ich hatte gar nicht mal so viel Lust mich jetzt auf die Slackline zu begeben. Aber ich hatte keine Wahl, alles war bereit, also sollte es losgehen. Ich habe noch ein letztes mal probiert mich zu entspannen, indem ich tief durchatmete und meine Arme und Beine ausschüttelte. Und dann bin ich auf die Slackline rausgerutscht und zum ersten Mal aufgestanden.

Die Highline bändigen

Es hat sich sehr weich und wabbelig angefühlt. Auch die Körbe vor und hinter mir haben seitlich gewackelt. Ich war mir nicht sicher ob ich, wenn ich die Kontrolle verlöre, mich an der Highline festhalten könnte. Damit kam der Zweifel und ich brach den Versuch unnötigerweise ab und ließ mich auf die Line fallen.

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Es war eine unglaublich intensive Erfahrung. Ich musste mich sehr stark aufs Laufen konzentrieren, auf meine Atmung und darauf mich nicht von meiner Angst ablenken zu lassen. Von der ganzen Umgebung habe ich fast gar nichts mehr wahrgenommen. Ich hatte nur den gegenüberliegenden Korb anvisiert. Glücklicherweise gelang es mir bei meinem dritten Versuch schließlich einmal komplett durchzulaufen. Es war eine riesige Erleichterung. Nicht nur für mich sondern für das ganze Team.

Letzte Stressbeseitigung

Der Hubschrauber war immer noch in der Luft und wir wollten noch ein paar mehr Aufnahmen machen. Während die Ballons noch höher aufgestiegen sind haben sie sich immer wieder im Kreis gedreht. Es war sehr unruhig und es war sehr schwierig für mich den richtigen Moment zum Aufstehen zu finden. Meine ganze Energie hatte ich bereits davor verpulvert, meine Knie waren weich. Je länger es nicht funktionierte, desto frustrierender wurde es und desto weniger Zeit blieb mir. Als ich schließlich entschloss eine Pause machen zu wollen erfuhr ich, dass wir jetzt landen müssten, weil das Gas aus wäre. Also begab ich mich noch einmal in die Mitte der Highline und stand ein letztes Mal auf.

Noch bevor ich ganz gestanden bin kippte ich bereits nach hinten. Die Slackline gab mir nochmal ordentlich Schwung mit, so dass ich mit einer guten Portion Rotationsenergie nach unten flog. Zurück Richtung Erde purzelnd war ich endlich befreit. Befreit von all dem Druck und den Kameras, die die ganze Zeit auf mich gerichtet waren. Nur ich und mein Fallschirm. Ich öffnete meinen Fallschirm verhältnismäßig hoch, so dass ich noch ein paar Minuten hatte um auf dem Weg nach unten die Aussicht auf das Monument Valley zu genießen. Als ich schließlich gelandet bin, hatte ich erstmal etwas Zeit um die vergangen Tage zu verarbeiten, ehe mich meine Freunde abholten.

Copyright der meisten Bilder bei OneInchDreams

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